{"id":3660,"date":"2019-10-18T19:17:51","date_gmt":"2019-10-18T17:17:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.struhal.com\/?p=3660"},"modified":"2019-11-06T21:21:59","modified_gmt":"2019-11-06T20:21:59","slug":"j-s-bach-inventionen-und-sinfonien-als-padagogischer-ansatz-fur-analyse-und-interpretation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.struhal.com\/de\/2019\/10\/18\/j-s-bach-inventionen-und-sinfonien-als-padagogischer-ansatz-fur-analyse-und-interpretation\/","title":{"rendered":"J. S. Bach Inventionen und Sinfonien als p\u00e4dagogischer Ansatz f\u00fcr Analyse und Interpretation"},"content":{"rendered":"<p><em>Anl\u00e4sslich des Symposiums <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/ijh\/?PageId=4173\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8222;Ist Musiktheorie praktisch?&#8220;<\/a> an der MDW im April 2018<\/em>\u00a0<em>hielt ich den Vortrag unter gegebenem Titel. In der Folge finden Sie, soweit m\u00f6glich, den Vortrag in schriftlicher Form mit gewissen Adaptierungen (weder Workshop, noch Livepr\u00e4sentation sind hier inkludiert).<\/em><\/p>\r\n<p><a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/ijh\/?PageId=4176\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Photos des Symposiums<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wir werden uns im Rahmen dieses Vortrags<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-list\">\r\n<li>ansehen, unter welchen Pr\u00e4missen Bach diese Lehrwerke geschrieben hat &#8211; denn es sind, wie wir gleich an seinem Eingangszitat ablesen k\u00f6nnen, ausgewiesene Lehrwerke- wir werden uns also Bachs p\u00e4dagogische Praxis ein wenig ansehen<\/li>\r\n<li>zum anderen wollen wir einen \u00dcberblick gewinnen, ob Bachs Ans\u00e4tze, und wenn jawelche von Bachs Ans\u00e4tzen, f\u00fcr uns heute noch p\u00e4dagogisch relevant sind? bzw inwiefern sie in meinem Unterrichtsfach Klavier f\u00fcr das Instrumentalstudium anwendbar sind?<\/li>\r\n<li>und dann interessiert uns nat\u00fcrlich die Frage, inwiefern hilft uns die Analyse einer Invention oder einer Sinfonia, um zu einer sinnvollen Interpretation zu gelangen? welche Kriterien der Analyse sollen hierf\u00fcr als besonders zielf\u00fchrend ber\u00fccksichtigt werden?<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ich schicke auch gleich voraus: ich werde NICHT den modernen Fl\u00fcgel als ausf\u00fchrendes Instrument in Frage stellen. Wir wollen uns hier kurz in Erinnerung rufen, dass Bach s\u00e4mtliche Tasteninstrumente seiner Zeit spielte und mit seinen Kompositionen bedachte, ja, dass wir gar nicht genau wissen, f\u00fcr welches der Tasteninstrumente seine \u201eClavierkompositionen\u201c, mit C geschrieben &#8211; Cembalo, Clavichord, Spinett &#8211; nun tats\u00e4chlich geschrieben waren? Bei manchen kann auch die Orgel gar nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Damit ist das m\u00f6gliche Klangspektrum, das diesen Werken offen steht, ein sehr gro\u00dfes. Insofern hindert uns nichts daran, die Werke am modernen Fl\u00fcgel sinnvoll und umfassend zu besprechen und zu interpretieren.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Sehen wir uns nun einmal Bachs bereits erw\u00e4hntes\u00a0<strong>Eingangszitat der \u201eAufrichtigen Anleitung\u201c\u00a0<\/strong>an<br \/><strong>(Und zum allgemeinen Verst\u00e4ndnis: wenn ich jetzt von \u201eBach\u201c spreche, meine ich ausschlie\u00dflich J. S. Bach! Seine S\u00f6hne, so ich sie nenne, werden mit Vornamen genannt).<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><a href=\"https:\/\/www.bach-digital.de\/rsc\/viewer\/BachDigitalSource_derivate_00000113\/db_bachp0610_page001.jpg\">Autograph Aufrichtige Anleitung<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eAufrichtige Anleitung,<br \/>Womit denen Liebhabern des\u00a0Clavires,\u00a0eine de\u00fctliche Art gezeigt wird, nicht alleine (1) mit 2 Stimmen reine zu spielen zu lernen, sondern auch bey weiteren\u00a0progressen\u00a0auch (2) mit dreyen\u00a0obligaten Partien\u00a0richtig und wohl zu verfahren, anbei auch zugleich guteinventiones\u00a0nicht alleine zu bekommen, sondern auch selbige wohl durchzuf\u00fchren, am allermeisten aber eine\u00a0cantable\u00a0Art im Spielen zu erlangen, und darneben einen starken Vorgeschmack von der\u00a0Composition\u00a0zu \u00fcberkommen.<br \/>Verfertiget von Joh: Seb: Bach.<br \/>Hochf. Anhalt-C\u00f6thenischen Kapellmeister, Anno Christi 1723\u201c<\/p>\r\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Johann Sebastian Bach, Invention in C, Gerda Struhal piano\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/c7bpIdnYk68?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\">\r\n<div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\u00a0<\/div>\r\n<figcaption>Johann Sebastian Bach, Praeambulum Nr 1 in C-Dur aus dem Clavier-B\u00fcchlein von Wilhelm Friedemann Bach, heute bekannt als 1. Invention <br \/>Gerda Struhal, Klavier<\/figcaption>\r\n<\/figure>\r\n<p><!--more--><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Bach war zeitlebens p\u00e4dagogisch t\u00e4tig.\u00a0<\/strong>W\u00e4hrend er als Kapellmeister an verschiedenen H\u00f6fen (Weimar, K\u00f6then) t\u00e4tig war, unterrichtete er, wie es \u00fcblich war, privat. Nur in Leipzig lehrte er an einer hochangesehenen Institution, der Thomasschule, einer Lateinschule. Er \u00fcbernahm bekanntlich im Fr\u00fchjahr 1723 das prestigevolle Amt des Thomaskantor.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Im Bewusstsein von Bachs Vielseitigkeit und seinem hohen Arbeitspensums als Komponist und ausf\u00fchrender Musiker sehen wir uns nun en detail Bach den Instrumentallehrer an<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Wie sah denn ein Instrumentalunterricht zur damaligen Zeit \u00fcblicherweise aus?<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Bachs Art zu unterrichten wurde wohl stark durch seine eigene Ausbildung gepr\u00e4gt bzw war Abbild der \u00fcblichen Unterrichtspraxis im ausgehenden 17. bzw beginnenden 18. Jahrhundert. Bach war selbst in einem Haushalt aufgewachsen, in dem sein Vater Ambrosius, Stadtpfeifer zu Eisenach, st\u00e4ndig einige Sch\u00fcler im Haushalt bei Kost und Logis ausbildete. Oft wohnte der Sch\u00fcler, wenn er nicht eine akademische Ausbildung an einer der Lateinschulen als Chorknaben erhielt, wie Bach in L\u00fcneburg, im Hause des Lehrers. Der Sch\u00fcler war dann Lehrling f\u00fcr das Handwerk. In vielen F\u00e4llen wurde im \u00fcbrigen die Handwerkstradition \u00fcber Generationen innerhalb der Familie weitergegeben, wie zum Beispiel im Fall der Familie Bach.<br \/>Bach lebte bis zu seinem 10. Lebensjahr im Elternhaus. Nach dem Tod seine Vaters, ein Jahr nach dem Tod seiner Mutter, zog der zehnj\u00e4hrige Bach zu seinem \u00e4ltesten Bruder nach Ohrdruf, der, ebenfalls Musiker, Johann Sebastian neben anderen Sch\u00fclern im Orgel- und Cembalospiel unterwies. Bach war bis zu Beginn seiner Leipziger Zeit in \u00fcberwiegendem Ma\u00dfe ein Komponist von Instrumentalwerken. Das Clavierwerk nahm bei Bach eine zentrale Rolle ein. Er galt zu seinen Lebzeiten nicht nur durchwegs als gro\u00dfer Virtuose auf den Tasteninstrumenten, insbesondere der Orgel, sondern auch als gesuchter Fachmann f\u00fcr die Beurteilungen von Orgeln, bzw erneuerte auch die Technik des Fingerspiels grundlegend, wir werden etwas sp\u00e4ter noch darauf zur\u00fcckkommen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Bach galt als\u00a0<strong>Autodidakt, <\/strong>auch weil man es f\u00fcr einen gro\u00dfen Komponisten damals als schmeichelhaft ansah, wenn er quasi aus eigener Kraft zur gro\u00dfen Kunst fand. Es finden sich jedoch durchaus Belege und Anekdoten zur Festigung dieser Annahme. Der erste Bachbiograph Johann Nikolaus Forkel meint hierzu, dass dieser Umstand, dass Bach sich seinen Weg als Komponist selbst suchen musste, eine Grundlage f\u00fcr seine gro\u00dfartigen p\u00e4dagogischen Leistungen war.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Tats\u00e4chlich entschied sich Bach in etwa um 1714, sich vorrangig der Komposition zu widmen und erarbeitete sich das \u201eHandwerk\u201c hierzu alleine. Bach war ein unerm\u00fcdlicher Notenkopierer. Wo immer er hinfuhr, zu welchem Lehrer auch immer er ging, er kopierte und machte sich Abschriften der Werke gesch\u00e4tzter Kollegen. Auch Vivaldis Werke bewunderte er sehr und unterzog sie einer gr\u00fcndlichen und analytischen Auseinandersetzung, ebenso verfuhr er mit Werken Marcellos, B\u00f6hms, Reinkes und Buxtehudes. Letzteren h\u00f6rte er auch in Hamburg &#8211; Bach reiste jedes Mal aus L\u00fcneburg hierf\u00fcr an &#8211; mehrfach. Die Reisen waren f\u00fcr Bach damals keine Kleinigkeit.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ein Lehrling stand dem Lehrer f\u00fcr diverse Assistenzarbeiten zur Verf\u00fcgung, die gleicherma\u00dfen seiner Ausbildung als auch der Unterst\u00fctzung des Lehrers dienten. Zu diesen Arbeiten z\u00e4hlte zum Beispiel das\u00a0<strong>handschriftliche Kopieren von Notentexten<\/strong>, also das Anfertigen von Notenmaterial.<br \/>Bach setzte, wie alle Lehrer zu der Zeit, dementsprechend seine\u00a0<strong>Sch\u00fcler als Assistenten<\/strong>dahingehend ein, dass sie ihm beim Abschreiben f\u00fcr Auff\u00fchrungen, f\u00fcr Vervielf\u00e4ltigungen von Stimmen zur Verf\u00fcgung standen. Doch setzte er das\u00a0<strong>Abschreiben auch als didaktisches Mittel<\/strong>, als Methode ein, die dem Sch\u00fcler die Struktur und Machart des Werkes n\u00e4herbringend sollte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eEin wesentlicher Grundsatz, auf welchem Bachs Unterricht aufgebaut war, lautete: Lernen am Vorbild. Bach vertrat die Ansicht, da\u00df durch Nachahmung von Qualit\u00e4tvollem der Geschmack auf beste Weise gebildet werden konnte &#8211; ein Prinzip, nach dem er selbst gelernt hatte.\u201c (Christoph Wolff, Johann Sebastian Bach)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Es liegt auf der Hand, dass unter diesen Bedingungen, auch was Beschaffung des Notenmaterials angeht, der Lehrer sein Unterrichtsmaterial gro\u00dfteils selbst erstellte, also die Lehrst\u00fccke komponierte, wie wir auch am Beispiel Bach unschwer sehen k\u00f6nnen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Offenbar verwendete Bach weder an der Thomasschule noch im Privatunterricht Lehrb\u00fccher, sondern formulierte seine eigenen Regeln und Prinzipien f\u00fcr die theoretische Unterweisung, die er in praktischen Beispielen demonstrierte\u00a0(Wolff S.272\/273). Das l\u00e4sst sich ableiten von Abschriften, die uns \u00fcberliefert sind, so unter anderem die \u201eVorschriften und Grunds\u00e4tze zum vierstimmig Spielen des General-Ba\u00df oder Accompagnement\u201c, sein einziges theoretisches Lehrwerk f\u00fcr die Thomassch\u00fcler, das auch vor allem praktische Beispiele enth\u00e4lt, nur einleitend die notwendigsten Unterweisungen anf\u00fchrt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Insofern hatte man, aus heutiger Sicht, gro\u00dfes Gl\u00fcck, wenn man als Sch\u00fcler bei Bach unterkam, denn Bach lie\u00df nicht nur in der Erstellung der Unterrichtsliteratur h\u00f6chste kompositorische Qualit\u00e4t walten, was nat\u00fcrlich keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit war, sondern war auch ein am Unterrichten und an der Vermittlung von musikalischen Inhalten offensichtlich sehr interessierter Lehrmeister.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Nun lassen Sie uns den Fokus auf das\u00a0<strong>Clavier-B\u00fcchlein von Wilhelm Friedemann Bach <\/strong>richten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><a href=\"https:\/\/brbl-zoom.library.yale.edu\/viewer\/10991082\">Deckblatt des Clavier-B\u00fcchleins von Wilhelm Friedemann Bach<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Bach unterrichtete Kinder wie Jugendliche und junge Erwachsene. Er unterrichtete selbstredend auch seine S\u00f6hne. Dieses Lehrb\u00fcchlein begann Bach f\u00fcr Wilhelm Friedemann, seinen \u00e4ltesten Sohn, im Jahr 1720 und f\u00fcllte es wohl nach und nach. Damals war Wilhelm Friedemann knapp 10 Jahre alt. Das B\u00fcchlein interessiert uns insofern besonders, weil es auch erstmals s\u00e4mtliche Inventionen und Sinfonien beinhaltet, wenn auch in anderer Reihenfolge als im Autographen von 1723 und noch unter anderem Titel, n\u00e4mlich\u00a0als<strong> \u201ePraeambeln und Fantasien\u201c<\/strong>. Dieses Clavier-B\u00fcchlein ist f\u00fcr uns dar\u00fcberhinaus von Interesse, weil es aufzeigt, welcherart Unterweisung der P\u00e4dagoge Bach im fortgeschrittenen Anf\u00e4ngerunterricht als angebracht ansah. Das B\u00fcchlein ist Hinweis daf\u00fcr, wie Bach p\u00e4dagogisch vorging, wie gewissenhaft er gleicherma\u00dfen handwerkliche Notwendigkeiten mit der Entwicklung des musikalischen Verst\u00e4ndnisses verkn\u00fcpfte und wie vorbildlich detailliert er seine Unterweisungen in praktischen Beispielen ausf\u00fchrte. Dass diese Werke gleicherma\u00dfen f\u00fcr Kinder, wie angehende BerufsmusikerInnen konzipiert, passend und musikalisch bereichernd sind, werden Sie an Darbietung und kleinem Workshop in der Folge sehen [letzterer ist im Blogpost nicht beinhaltet!].<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Gleich zu Beginn f\u00fchrt er sorgsam alle g\u00e4ngigen Schl\u00fcssel auf.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><a href=\"https:\/\/brbl-zoom.library.yale.edu\/viewer\/10991087\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Claves<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Dann gibt er in der sicher allseits bekannten Explication genau an, wie jene Verzierungen, die er verwendete, auszuf\u00fchren sind.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><a href=\"https:\/\/brbl-zoom.library.yale.edu\/viewer\/10991088\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Explication<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Auch den Fingersatz ber\u00fccksichtigt er genauestens, siehe Applicatio:<\/p>\r\n<p><a href=\"https:\/\/brbl-zoom.library.yale.edu\/viewer\/10991089\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Autograph Applicatio<\/a><\/p>\r\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Johann Sebastian Bach, Applicatio, Clavier-B\u00fcchlein von Wilhelm Friedemann Bach\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/QTTqnCjveKc?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio wp-embed-aspect-16-9\">\r\n<figcaption>Johann Sebastian Bach, Applicatio aus dem Clavier-B\u00fcchlein von Wilhelm Friedemann Bach<br \/>Gerda Struhal, Klavier<br \/><br \/><\/figcaption>\r\nAm Beispiel Fingersatz kann man anhand der Eintragungen in diesem B\u00fcchlein Bachs p\u00e4dagogische Genauigkeit nachvollziehen. Er nahm den\u00a0<strong>Daumenuntersatz\u00a0<\/strong>in die Klaviertechnik auf und gab passende \u00dcbungsbeispiele gleicherma\u00dfen im altbew\u00e4hrten, damals weithin \u00fcblichen 3. Finger \u00dcbersatz (r.H.) bzw 2. Finger \u00dcbersatz (l.H.), Interessant ist es, die daraus resultierende Artikulation zu beachten bzw anhand der F\u00fclle der Verzierungen in der Schlusskadenz auch ein offensichtlich anvisiertes Ritardando (da teilweise die einzelnen Verzierungen sonst zeitlich nicht musikalisch sinnvoll ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnten). Zus\u00e4tzlich sollte man auch in Betracht ziehen, dass die angegebenen Verzierungen als M\u00f6glichkeit gedacht sind, also nicht alle wie notiert zugleich ausgef\u00fchrt werden sollten. Hierzu gleich mehr.<\/figure>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Dar\u00fcberhinaus schrieb er zum Beispiel im folgenden Praeambulum einen Fingersatz, der wohl auch die kleine Kinderhand aufdehnen und flexibler im Greifen machen sollte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><a href=\"https:\/\/brbl-dl.library.yale.edu\/vufind\/Record\/3829593\">Prae<\/a><a href=\"https:\/\/brbl-dl.library.yale.edu\/vufind\/Record\/3829593\">ambulum<\/a><a href=\"https:\/\/brbl-zoom.library.yale.edu\/viewer\/10991100\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> Seite 1<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><a href=\"https:\/\/brbl-zoom.library.yale.edu\/viewer\/10991101\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Praeambulum Seite 2<\/a><\/p>\r\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Johann Sebastian Bach Praeambulum g-Moll BWV 930, Gerda Struhal piano\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/40jqjiw-4eI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\r\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio wp-embed-aspect-16-9\">\r\n<figcaption>Johann Sebastian Bach, Praeambulum BWV 930 in g-Moll aus dem Klavier-B\u00fcchlein von Wilhelm Friedemann Bach<br \/>Gerda Struhal, Klavier<\/figcaption>\r\n<\/figure>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>CPE Bach zur Fingertechnik seines Vaters<\/strong>: \u201eAlle Finger waren bey ihm gleich ge\u00fcbt; Alle waren zu der feinsten Reinigkeit in der Ausf\u00fchrung gleich geschickt. Er hatte sich so eine bequeme Fingersetzung ausgesonnen, da\u00df es ihm nicht schwer fiel, die gr\u00f6\u00dften Schwierigkeiten mit der flie\u00dfendsten Leichtigkeit vorzutragen. Vor ihm hatten die ber\u00fchmtesten Clavieristen in Deutschland und andern L\u00e4ndern, dem Daumen wenig zu schaffen gemacht. Desto besser wu\u00dfte er ihn zu gebrauchen.\u201c (CPE Bach, im Magazin \u201eMusikalische Bibliothek, Leipzig 1754, Nekrolog)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><a href=\"https:\/\/jsbach.de\/bachs-welt\/dokumente\/ 1754-leipzig-nekrolog-auf-johann-sebastian-bach-und-trauerkantate\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">CPE Bach: Nekrolog<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Das l\u00e4sst sich auch an den Pr\u00e4ambeln bzw Inventionen ablesen, auch wenn uns hier leider kein Fingersatz von Bach \u00fcberliefert ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Eindrucksvoll sind in den Fingersatz\u00fcbungen, auch in diesem zuvor angef\u00fchrten Praeambulum im \u00fcbrigen die\u00a0<strong>Empfehlungen f\u00fcr die Verzierungen.<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-gallery columns-1 is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\r\n<li class=\"blocks-gallery-item\">\r\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"754\" height=\"400\" class=\"wp-image-3674\" src=\"https:\/\/www.struhal.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bildschirmfoto-2019-10-11-um-21.42.27.png\" alt=\"\" data-id=\"3674\" data-link=\"https:\/\/www.struhal.com\/?attachment_id=3674\" srcset=\"https:\/\/www.struhal.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bildschirmfoto-2019-10-11-um-21.42.27.png 754w, https:\/\/www.struhal.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bildschirmfoto-2019-10-11-um-21.42.27-300x159.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 754px) 100vw, 754px\" \/>\r\n<figcaption>Johann Sebastian Bach, &#8222;Kleine Pr\u00e4ludien und Fughetten&#8220;, G. Henle Verlag, M\u00fcnchen-Duisburg, Seite 5<\/figcaption>\r\n<\/figure>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Und dass es sich eventuell eher um Empfehlungen handelt, n\u00e4mlich, wie zum Beispiel eine\u00a0<strong>Kadenzformel\u00a0<\/strong>auszuf\u00fchren und mit Verzierungen griffig gemacht werden kann, welche T\u00f6ne, welcher Stimmen mit welcherart Verzierungen bedacht werden k\u00f6nnen, k\u00f6nnte man an dem Beispiel der Pr\u00e4ambel ablesen: ein in Oktaven paralleler Mordent w\u00e4re in einer Ausf\u00fchrung wohl undenkbar, also kann man annehmen, dass es sich, wie oben bereits erw\u00e4hnt, um eine Ansammlung von \u201eEmpfehlungen\u201c handelt, die nicht dazu gedacht waren, in Summe in dieser Art ausgef\u00fchrt zu werden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Andererseits lassen sie wiederum die Annahme zu, dass dadurch gewisserma\u00dfen ein Ritardando angezeigt\/intendiert wurde.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><br \/>Ansatzweise k\u00f6nnen wir auch an der folgenden Allemande Bachs\u00a0<strong>Arbeitsweise \u00a0<\/strong>ablesen:<br \/>Hier gibt Bach Titel, Takt und Anfang vor und l\u00e4sst seinen Sohn die Idee fortf\u00fchren, so die Annahme, auf alle F\u00e4lle l\u00e4sst sich neben Bachs Handschrift eine etwas unbeholfene weitere Handschrift und Ausf\u00fchrung in dieser Allemande ausmachen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><br \/><a href=\"https:\/\/brbl-zoom.library.yale.edu\/viewer\/10991096\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Allemande\/ Handschrift Seite 1<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><a href=\"https:\/\/brbl-zoom.library.yale.edu\/viewer\/10991097\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Allemande\/Handschrift Seite 2<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Aufgabe war wohl, dass Wilhelm Friedemann das Fehlende erg\u00e4nzen sollte, also dass die Mittelstimme ausgesetzt werden sollte (was nur zum Teil geschah) bzw zum Beispiel die Kadenz ausgeformt werden sollte, was fehlerhaft geschah (es fehlt eine Viertel in Takt 4, w\u00e4hrend zum Beispiel in Takt 5 in der linken Hand eine Achtel zuviel notiert ist und nach dem Doppelstrich in der Folge wiederum die Achtelpause fehlt, etc&#8230;)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Leider kann ich die Details und Besonderheiten dieses Clavier-B\u00fcchleins hier aus zeitlichen Gr\u00fcnden nicht weiter ausf\u00fchren, empfehle jedoch die Besch\u00e4ftigung damit.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Generell k\u00f6nnen wir an diesem B\u00fcchlein, auch mit den sp\u00e4ter folgenden Pr\u00e4ludien (WTK1), Pr\u00e4ambeln und Fantasien Bachs p\u00e4dagogischen Ansatz ablesen,\u00a0<strong>dem Sch\u00fcler stufenweise K\u00f6nnen zu vermitteln<\/strong>, in allen Bereichen, gleicherma\u00dfen handwerkliches wie musikalisches Denken f\u00f6rdernd in praktischen Anweisungen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Interessant ist in jedem Fall die Anordnung der St\u00fccke, also die Abfolge im B\u00fcchlein. Immerhin finden sich die 15 Pr\u00e4ambeln und 14 Fantasien erst am Ende des B\u00fcchleins, also NACH den Pr\u00e4ludien und anderen Lehrst\u00fccken.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>L\u00e4sst sich daran eventuell der didaktische Stellenwert bzw die l\u00e4nger daf\u00fcr anberaumte Vorarbeit in der p\u00e4dagogischen Arbeit ablesen?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Zwischen Pr\u00e4ambeln und Fantasien finden sich einige wenige S\u00e4tzchen, auch wieder eine Abschrift eines anderen Komponisten, danach kommen 14 (!) Fantasien, es fehlt jene in c- Moll.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Lassen wir hier nun, zur\u00a0<strong>authentischen Schilderung des Bachschen Unterrichts\u00a0<\/strong>Bachs Sch\u00fcler Philipp David Kr\u00e4uter kurz zu Wort kommen. Er hatte 1712 f\u00fcr den Unterricht bei Bach vom Scholariat Augsburg ein Stipendium erhalten und schreibt nun einen Bericht an seinen Stipendiengeber:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>\u201eWie ich aber dieses Geld angewendet und wie ich mit meinem neuen Lehrmeister Bach in Weymar wegen Kost und Information f\u00fcr ein Jahr auf das genaueste verglichen, berichte ich auch anbey gegebenen gn\u00e4digen Befehl nach. [&#8230;] er begehrte anf\u00e4nglich 100 Reichsth[aler] vor das Jahr, ich brachte es aber auf 80 Thl. herunter; dahingegen er mir Kost und Information geben will; er ist ein vortrefflicher dabey auch sehr getreuer Mann, sowohl in der Composition und Clavier, als auch in andern Instrumenten, gibt mir den Tag gewi\u00df 6 Stund zur Information, die ich dann absonderlich zur Composition und Clavier, auch bi\u00dfweilen zu anderen Instrumenten exercirung hoch vonn\u00f6then habe, die \u00fcbrige Zeit wende ich vor mich allein zum Exerciren und decodieren an, dann derselbe mir alle MusikSt\u00fcck, die ich verlange, communicirt, habe auch die Freyheit, alle seine St\u00fcck durchzusehen.&#8220;<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Philipp David Kr\u00e4uter war Bachs Sch\u00fcler von April 1712 bis Ende Sept. 1713.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die hier Anwesenden werden verstehen, dass ich gern auf jene Information der Unterweisung \u201eauch bisweilen zu anderen Instrumenten\u201c verweise, da ich meine Studierenden hier am Haus [MDW, Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Wien] im Fach Klavier f\u00fcr das Instrumentalstudium unterrichte.\u00a0Im \u00fcbrigen wei\u00df man von Bach, dass er bei den Auff\u00fchrungen in Leipzig meist von der Position des Konzertmeisters, also an der Geige, das Ensemble leitete und das Orgelspiel einem seiner begabtesten Sch\u00fcler \u00fcberlie\u00df.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Sehen wir uns nun die Balance von\u00a0<strong>Theorie und Praxis im Unterricht Bachs\u00a0<\/strong>an, wovon wir dann langsam zur Analyse der Invention in C, exemplarisch f\u00fcr die restlichen Inventionen und Sinfonien, \u00fcberleiten wollen:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Bachs Ansatz, was die Musik ausrichten sollte,\u00a0<\/strong>war stark zusammengefasst folgender, er ist uns aus einer Mitschrift eines Thomassch\u00fclers im Zusammenhang mit bereits erw\u00e4hnten \u201eVorschriften und Grunds\u00e4tzen zum vierstimmigen Spielen des General-Ba\u00df\u201c \u00fcberliefert. Er stammt im \u00fcbrigen nicht von Bach sondern aus der \u201eMusicalischen Handleitung\u201c von Johann Erhard Niedt, die Bach f\u00fcr seine Unterweisungen heranzog:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><em>\u201e&#8230;und soll wie aller Music, also auch des General Basses Finis und End Ursache anders nicht als nur zu Gottes Ehre und Recreation des Gem\u00fcts sein. Wo dieses nicht in acht genommen wird, da ists keine eigentliche Music, sondern ein Teuflisches Gepl\u00e4rrr und Geleier.\u201c<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wir haben, wenn auch vieles verloren ging, manch Einblick in die Bibliothek, die Bach besa\u00df. So besa\u00df und studierte er Werke wie etwa bereits erw\u00e4hnt Friedrich Erhard Niedts Musicalische Handleitung, Fux\u2019 Kontrapunktlehre Gradus ad Parnassum von 1724 und Heinichens Handbuch der Komposition von 1728 (Der General-Bass der Composition). Er hatte ein tiefes Interesse am theoretischen Diskurs \u00fcber Musik. Bach trat drei Jahre vor seinem Tod 1747 der \u201eSociet\u00e4t der musicalschen Wissenschaften\u201c bei, die zwei Mal im Jahr Neuigkeiten aus der musikalischen Welt, also quasi einen \u201eNewsletter\u201c, versandte, dem s\u00e4mtliche vierzehn Mitglieder Beitr\u00e4ge zur Musik, Essays, theoretische und praktische Beitr\u00e4ge zugef\u00fcgt hatten, auch Bach steuerte Praktisches (z.B. Das musikalische Opfer) bei.<br \/>Bach befriedigte sein eigenes Bed\u00fcrfnis, sich der praktischen Theorie zu widmen, indem er seinen Sch\u00fclern Aufgaben stellte, die seinen Lernzielen entsprachen. Doch diese Ziele lie\u00dfen sich nicht von seinen Interessen als Komponist und jenen als praktischer Musiker trennen, wie wir an seinem\u00a0Orgel-B\u00fcchlein, der\u00a0Aufrichtigen Anleitung, beiden Teilen desWohltemperierten Claviers\u00a0und z.B. auch der\u00a0Kunst der Fuge\u00a0sehen.\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>CPE Bach fasst diese Unterrichtsauffassug seines Vaters im folgenden \u201eAvertissement\u201c\u00a0<\/strong>nochmals zusammen. Es erschien als Ank\u00fcndigung des Drucks der<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Kunst der Fuge, Mai 1751 (also nach Bachs Tod) in der wissenschaftlichen Zeitschrift Critische Nachrichten aus dem Reiche der Gelehrsamkeit,<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eWenn die Regeln, die man uns dazu ertheilte auch gut und hinl\u00e4nglich waren, so fehlte es dabei an n\u00f6tigen Exempeln, Man wei\u00df aber, wie fruchtlos ein Unterricht ohne Exempel ist, und die Erfahrung zeiget, was man f\u00fcr einen ungleich gr\u00f6\u00dferen Vortheil aus practischen Ausarbeitungen, als aus magern theoretischen Anweisungen ziehet.\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Zwei Fragen, neben unz\u00e4hligen m\u00f6glichen, m\u00f6chte ich in diesem Sinne bei meinen Betrachtungen der Analyse den Vorrang geben:<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>1.) welches Ziel soll durch eine detaillierte Analyse des St\u00fcckes erreicht werden?<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>2.) Welche Kriterien werden f\u00fcr eine solche Analyse sinnvollerweise angewandt?<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong><em>Ad hoc Beitrag anl\u00e4sslich der und Bezug nehmend auf die gestrige(n) Roundtable-Diskussion, m\u00f6chte ich hier eine kleine philosophische Betrachtung einer Interpretin einbringen.<\/em><\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong><em>Was ist denn Analyse?<br \/>Die Frage ist eine kleine Reaktion auf die Roundtable-Diskussion gestern: Was ist \u201eMusiktheorie\u201c? Musiktheorie hat viele Aspekte.<br \/>Es gibt verschiedene M\u00f6glichkeiten der Analyse,<br \/>nach Schenker (abends mit Till K\u00f6rber, Oktavzug, zweistimmig Struktur, der Ursatz), z.B. Beobachtungsmodell \u201e gebrochener Satz\u201c,<br \/>nach Ratz (Formanalyse)<br \/>nach Johann Nepomuk David,<br \/>nach Stufentheorie,<br \/>nach Funktionsanalyse,<br \/>etc, etc<\/em><\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong><em>Jede Analyse ist ein Beobachtungsmodell, das eigenen Kriterien folgt, quasi eine \u00fcbergeordnete Struktur, die einem Werk \u00fcbergest\u00fclpt und dann nach dem Text des Werkes im besten Falle adaptiert wird.<\/em><\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong><em>Was bringt uns die Theorie? es geht darum Zusammenh\u00e4nge herzustellen, die zum Verst\u00e4ndnis beitragen. Innere Zusammenh\u00e4nge, die auch relativ zum Modell und zu den Bezugspunkten sind. Es macht zum Beispiel einen gewissen Unterschied, ob ich eine Invention im Zyklus aller Inventionen\/Tonarten betrachte, da werde ich etwas andere Kriterien herausstreichen, oder als einzelnes St\u00fcck betrachte.<\/em><\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong><em>Wichtig ist aus Sicht der Interpretin und der P\u00e4dagogin: den Studierenden m\u00f6glichst viele Werkzeuge in die Hand zu geben, um eine eigene Bindung mit dem St\u00fcck aufzubauen und es zu erschlie\u00dfen, damit dann am Ende der\/die InterpretIn eins ist mit St\u00fcck und dem eigenem Handwerk, und einen \u201eguten Ton\u201c hat (siehe Roundtable)<\/em><\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Beantwortung der oben angef\u00fchrten Fragen.<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>ad<\/strong> 1.) wie folgte beantworten: das Ziel ist nat\u00fcrlich Bildung und Verst\u00e4ndnis der SpielerIn\/des Spielers, die zu einer sinnvollen Interpretation f\u00fchrt<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>ad<\/strong> 2.) werden wir im Workshop erl\u00e4utern [nicht Teil des Blogpost], manches haben wir bereits erw\u00e4hnt, Eigenheiten in der Schreibart des Komponisten, die R\u00fcckschl\u00fcsse auf Agogik und Artikulation des Werkes zulassen, m\u00fcssen in jedem Fall in die Analyse des Textes miteinbezogen werden. Rhetorische Figuren, harmonische Struktur, etc.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Es ist enorm wichtig, dass InterpretInnen f\u00fcr Eigenheiten der Schreibart eines Komponisten eine Sensibilit\u00e4t entwickeln, Besonderheiten wahrnehmen<\/strong>, z.B. klangliche Besonderheiten (Beethoven, Terz im Bass, Spielanweisungen, etc)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ich lasse <strong>Erwin Ratz, Theoretiker aus dem Sch\u00f6nbergkreis, ehemals Theorielehrender an diesem Haus<\/strong> zu Wort kommen:<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eDie Erlebnisf\u00e4higkeit des Musikers zu aktivieren und [&#8230;] zu vertiefen, ist eine Hauptaufgabe des Unterrichts in der funktionalen Formenlehre. Der Sch\u00fcler wird daher von Beginn an dazu angehalten, jedes musikalische Detail bewusst wahrzunehmen. Er soll nichts als selbstverst\u00e4ndlich hinnehmen und immer fragen: warum ist dies so und nicht anders? Dadurch wird er allm\u00e4hlich angeleitet, nicht nur instinktives Unterscheidungsverm\u00f6gen zu entwickeln f\u00fcr die der Kunst eigenen Werte &#8211; dieses besitzt auch der Musikliebhaber -, sondern sich bewu\u00dft Rechenschaft geben zu k\u00f6nnen, worauf das beruht, was wir als Wert empfinden.\u201c (Erwin Ratz, Einf\u00fchrung in die musikalische Formenlehre, UE, 3. erweiterte und neugestaltete Ausgabe, 1973, S 8)<br \/>weiters:<br \/><strong>\u201eDie musikalische Formenlehre soll jene Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten aufzeigen, die einer jeweils einmaligen Anordnung von T\u00f6nen Sinn und Zusammenhang verleihen<\/strong>. Sie soll weiters zeigen, worauf es zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, da\u00df wir ein musikalisches Kunstwerk als einen in sich geschlossenen Organismus empfinden.\u201c Wobei jene \u201eGanzheit\u201c, laut Ratz, mehr ist, als die Summe ihrer Teile.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Was also sollten Sch\u00fcler zu Bachs Zeit laut \u201eAnleitung\u201c an den Inventionen und Sinfonien oder Pr\u00e4ambeln und Fantasien lernen?<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Bach fordert ein Denken mit musikalischen Parametern ein, da die Inventionen anders nicht zu spielen sind. Aufgrund der offensichtlich didaktischen Anlage und Intention der Inventionen wage ich auch die Aussage, dass Bach uns mit diesen St\u00fccken bewusst in die Karten seiner Arbeit und seiner Denkart schauen l\u00e4sst und uns de facto an der Hand nimmt und durchf\u00fchrt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wenn ich hier die zweistimmigen Inventionen nenne, so sind alle Erkenntnisse im gleichen Ma\u00dfe auf die dreistimmigen Sinfonien anwendbar, auch wenn dort alle Herausforderungen entsprechend gehobener sind.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Wir rufen uns nochmals Bachs Einf\u00fchrung zur \u201eAufrichtigen Anleitung\u201c in Erinnerung:<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Zitat Einf\u00fchrung J. S. Bach:<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u201eAufrichtige Anleitung,<br \/>Womit denen Liebhabern des\u00a0Clavires,\u00a0eine de\u00fctliche Art gezeigt wird, nicht alleine (1) mit 2 Stimmen reine zu spielen zu lernen, sondern auch bey weiteren\u00a0progressen\u00a0auch (2) mit drehen\u00a0obligaten Partien\u00a0richtig und wohl zu verfahren, anbei auch zugleich gute<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>inventiones\u00a0nicht alleine zu bekommen, sondern auch selbige wohl durchzuf\u00fchren, am allermeisten aber eine\u00a0cantable\u00a0Art im Spielen zu erlangen, und darneben einen starken Vorgeschmack von der\u00a0Composition\u00a0zu \u00fcberkommen.<br \/>Verfertiget von Joh: Sei: Bach.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Hochf. Anhalt-C\u00f6thenischen Kapellmeister, Anno Christi 1723\u201c<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"763\" class=\"wp-image-3658\" src=\"https:\/\/www.struhal.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bildschirmfoto-2019-10-10-um-16.19.45-1024x763.png\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.struhal.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bildschirmfoto-2019-10-10-um-16.19.45-1024x763.png 1024w, https:\/\/www.struhal.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bildschirmfoto-2019-10-10-um-16.19.45-300x224.png 300w, https:\/\/www.struhal.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bildschirmfoto-2019-10-10-um-16.19.45.png 1516w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/>\r\n<figcaption>Erwin Ratz &#8222;Einf\u00fchrung in die musikalische Formenlehre&#8220;<br \/>\u00a9 Copyright 1968 by Universal Edition A.G. Wien\/UE26201<br \/>Revised edition: \u00a9 Copyright 1973 by Universal Edition A.G., Wien<br \/><br \/><\/figcaption>\r\n<\/figure>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><a href=\"https:\/\/brbl-zoom.library.yale.edu\/viewer\/10991154\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Autograph des Praeambulum C-Dur, ist heute die Quelle f\u00fcr die 1. Invention in Urtextausgaben Seite 1<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><a href=\"https:\/\/brbl-zoom.library.yale.edu\/viewer\/10991155\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Autograph des Praeambulum C-Dur, ist heute die Quelle f\u00fcr die 1. Invention in Urtextausgaben Seite 2<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wir h\u00f6ren jetzt den siebenj\u00e4hrigen Leo, der uns die erste Invention in C spielt, die Bach neben all den anderen Praeambeln und Fantasien f\u00fcr seinen 9 j\u00e4hrigen Sohn Wilhelm Friedemann ins B\u00fcchlein geschrieben hat und ich zeige Ihnen hierzu eine Analyse von Johann Nepomuk David, der die Entsprechungen der Teile in der Form \u00fcbersichtlich darstellt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"727\" class=\"wp-image-3656\" src=\"https:\/\/www.struhal.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bildschirmfoto-2019-10-10-um-16.20.30-1024x727.png\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.struhal.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bildschirmfoto-2019-10-10-um-16.20.30-1024x727.png 1024w, https:\/\/www.struhal.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bildschirmfoto-2019-10-10-um-16.20.30-300x213.png 300w, https:\/\/www.struhal.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bildschirmfoto-2019-10-10-um-16.20.30.png 1524w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/>\r\n<figcaption>Johann Nepomuk David, &#8222;Die zweistimmigen Inventionen von Johann Sebastian Bach&#8220;,<br \/>Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 1958<\/figcaption>\r\n<\/figure>\r\n\r\n\r\n\r\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"737\" class=\"wp-image-3657\" src=\"https:\/\/www.struhal.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bildschirmfoto-2019-10-10-um-16.20.09-1024x737.png\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.struhal.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bildschirmfoto-2019-10-10-um-16.20.09-1024x737.png 1024w, https:\/\/www.struhal.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bildschirmfoto-2019-10-10-um-16.20.09-300x216.png 300w, https:\/\/www.struhal.com\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bildschirmfoto-2019-10-10-um-16.20.09.png 1526w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/>\r\n<figcaption>Johann Nepomuk David, &#8222;Die zweistimmigen Inventionen von Johann Sebastian Bach&#8220;,<br \/>Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 1958<\/figcaption>\r\n<\/figure>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Johann Sebastian Bach, Invention Nr 1 in C, Gerda Struhal piano\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/H5rzVf3nMsM?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\r\n<p>Praeambulum Nr 1 in C bzw Invention Nr 1 in C<\/p>\r\n<p>Gerda Struhal, Klavier<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Was also, sollten Sch\u00fcler zu Bachs Zeit laut \u201eAnleitung\u201c an den Inventionen und Sinfonien lernen?<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>\u2022\u00a0Wir fassen in groben Z\u00fcgen zusammen bzw suchen nach Abweichungen zu heute<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><br \/>\u2022\u00a0sie ber\u00fccksichtigen die Entwicklung des Fingerspiels mit allen f\u00fcnf Fingern (auch dem Daumen!)<br \/>\u2022\u00a0cantables\u00a0Spiel (Ausdruck, rhetorische Figuren, Mouvement\/s Mattheson\/Rousseau)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>hinsichtlich Kompositionstechnik :<br \/>\u2022\u00a0Entwickeln das Schreiben eines St\u00fcckes aus einem Einfall (\u201eInventio\u201c), der entsprechend verarbeitet wird<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-list\">\r\n<li>der Sch\u00fcler wurde also angehalten, sehr effizient mit dem kompositorischenMaterial umzugehen und zu erkennen, was in dem vorhandenen Materialkompositorisch, spielerisch drinnen \u201esteckt\u201c:<\/li>\r\n<li>Erlernen der kontrapunktischen Verarbeitungsmuster (Krebs, Spiegel,Spiegelkrebs, Augmentation, Diminution)<br \/>\u2022\u00a0Formung eines St\u00fcckes durch harmonische Gliederung, Modulationen (fixiert durchKadenzen)<br \/>\u2022\u00a0Entwicklung der Tonarten, Umgang mit den Tonarten bzw Umgang mitToartencharakteristik<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u2022\u00a0Sie wurden als Musik zu Gottes Ehre und zur Recreation des Gem\u00fcts komponiert<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Konsequenterweise muss ich mich fragen:<br \/>Was strebe ich als Lehrende heute mit Bachs Inventionen im Unterricht an? Gibt es Abweichungen?<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Ich habe Ihnen bisher ansatzweise gezeigt, auf welche Art der P\u00e4dagoge Bach gearbeitet hat: sehr konsequent aufbauend, viele Parameter abdeckend. Das hei\u00dft, man kann ihm als P\u00e4dagoge inhaltlich, so konnte ich feststellen, blind vertrauen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Bach baut beim Sch\u00fcler schrittweise nachvollziehbar musikalisches Denken und Verst\u00e4ndnis, er baut ausdrucksstarkes Spiel auf, das eng verbunden ist mit dem Wissen um das musikalische Material, das dem Ausdruck zugrunde liegt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u2022\u00a0Die\u00a0<strong>Entwicklung des Fingerspiels\u00a0<\/strong>wird f\u00fcr jede angehende PianistIn immer ein Thema sein, insbesondere in einem derart sinnvollen Aufbau wie bei Bach (F\u00fcnftonraum, Kr\u00e4ftigung, Skalenspiel)<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-list\">\r\n<li>Dar\u00fcberhinaus m\u00fcssen wir uns die Tonarten nicht mehr erschlie\u00dfen: dennoch m\u00fcssen wir uns mit dem Begriff der\u00a0<strong>Tonartencharakteristik\u00a0<\/strong>in einer gleichschwebend temperierten Stimmung auseinandersetzen und ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr wohltemperierte Stimmungen entwickeln<\/li>\r\n<li>eine\u00a0<strong>ganz gro\u00dfe Abweichung im heutigen Instrumentalunterricht:<\/strong>\r\n<ul>\r\n<li>es gibt in Ausbildung und Konzerten die\u00a0<strong>fundamentale Trennung von Ausf\u00fchrungalso Interpretation und Komposition<\/strong><\/li>\r\n<li>ganz offensichtlich gibt es im Studium Instrumentalstudium bzw in meinem Fach Klavier also keinen Kompositionsunterricht, es gibt jedoch ausgezeichneten Satzlehreunterricht: hier und andernorts b\u00fcndeln wir\u00a0<strong>alle diese Informationen in der Arbeitsweise der Analyse, um ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Intentionen des Komponisten zu entwickeln und das daraus erschlossenen Wissen in eine \u00fcberzeugende Interpretation praktisch umzusetzen.<\/strong><\/li>\r\n<li><strong>Kein Abschreiben mehr erforderlich.\u00a0<\/strong>Es w\u00e4re interessant, zu untersuchen, inwieweit das zeitaufwendige Kopieren von Noten als Methode das Erfassen desTextes unterst\u00fctzt hat? Dennoch w\u00e4ren unsere Studierenden wohl nicht so angetan, viel \u00dcberzeit zu verlieren mit Erstellen des Notenmaterials?<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-list\">\r\n<li>und ein zus\u00e4tzlicher p\u00e4dagogischer Ansatz mit den Inventionen und Sinfonien Bachs ist die Bachrezeption mit all ihren Unterordnungen, Auff\u00fchrungspraxis, Repertoirekunde, etc also der Zugang zu Bachs Musik und musikalischem Denken<\/li>\r\n<li>weiters Einf\u00fchrung in das polyphone H\u00f6ren einer strengen zwei und Dreistimmigkeit, die stark in harmonischem Fundament und einer klaren harmonischen Entwicklung verwurzelt ist.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Spezielle Anwendbarkeit f\u00fcr Klavier f\u00fcr das Instrumentalstudium:<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Generell wird die\u00a0<strong>Merkf\u00e4higkeit, das Erfassen von musikalischen Strukturen\u00a0<\/strong>durch ein systematisches Erfassen von Text und Inhalt beschleunigt, was in unserer Profession sehr von Nutzen ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Nun m\u00f6chte ich alle bisher angef\u00fchrte Informationen zusammenk\u00fcrzen auf die entscheidende Frage einer InterpretIn im Zusammenhang mit Analyse<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wie gehe ich mit einem Text um, der keinerlei Spielanweisungen f\u00fchrt? Wie erschlie\u00dfe ich mir diesen Text? insbesondere im Wissen, dass, wie hier, jeder Ton pr\u00e4zise seinen Platz seine Bestimmung hat? Wie erschlie\u00dfe ich mir das Werk selbstst\u00e4ndig (!) ohne YouTube, ohne CD, ohne eine bereits fertig ausgearbeitete Interpretation zu \u201ekonsumieren\u201c?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Erster Schritt:<br \/><strong>Urtextausgabe<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Autograph<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Nun vergleichen wir den Text der Praeambeln mit jener Niederschrift der Inventionen aus dem Jahr 1723<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><a href=\"https:\/\/www.bach-digital.de\/rsc\/viewer\/BachDigitalSource_derivate_00000114\/db_bachp0610_page002.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Autograph der Inventionen der Aufrichtigen Anleitung aus dem Jahr 1723<\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Der Blick in den Autographen bietet manche \u00dcberraschung!<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Sechzehntelbewegung der Pr\u00e4ambel ist nun in eine Sechzehnteltriolenbewegung aufgegangen. Die mittlere Triolennote wurde offensichtlich, das l\u00e4sst sich dem Schriftbild ablesen, sp\u00e4ter hinzugef\u00fcgt. Dennoch haben sich sp\u00e4tere Ausgaben, n\u00e4mlich die heute g\u00e4ngigen Ausgaben und Wiedergaben, auch die Henle-Urtext Ausgabe, auf die Pr\u00e4ambel aus dem Clavier-B\u00fcchlein gest\u00fctzt. Wom\u00f6glich \u00fcberzeugt das kleine offensichtlich nachtr\u00e4glich hinzugef\u00fcgte N\u00f6tchen doch nicht ganz?Bach l\u00e4sst uns hier an seinem Denkprozess teilhaben. War es eine \u00dcbung f\u00fcr einen Sch\u00fcler? eine Finger\u00fcbung, um die Gel\u00e4ufigkeit zu trainieren? war es eine Rhythmus\u00fcbung &#8211; immerhin finden sich auf der zweiten Seite der Niederschrift des St\u00fcckes eine Rythmusaufschl\u00fcsslung zwei gegen drei (rechte gg linke Hand)? Vielleicht eine Temporeduktion: dass also die N\u00f6tchen eingef\u00fcgt wurden, damit das Werk insgesamt nicht zu schnell durchgespielt wird? In jedem Fall ist der Blick in den Autographen immer eine Denkanregung<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>2. Teil des Vortrages, Workshop [nicht Teil dieses Textes]<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Ad Analyse im Workshop mit Studierenden nach Vortrag, Vorgangsweise, m\u00f6gliche Fragen:<br \/>in Anlehnung an Erwin Ratz und Johann Nepomuk David, die weitgehend parallel verlaufen, jedoch etwas unterschiedliche Akzente in ihrer Analyse setzen:<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Generelle Vorgangsweise:<br \/>vom Gro\u00dfen ins Kleine,<br \/>vom gro\u00dfen Atem ausgehen, das Gesamtbild nie aus der Perspektive verlieren<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Wir suchen die\u00a0<strong>gro\u00dfen Einschnitte<\/strong>, die Kadenzen, sie unterteilen das St\u00fcck?<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-list\">\r\n<li>Wieviele Teile? Warum ist es wichtig, das zu wissen? Wie ist der Aufbau?<\/li>\r\n<li>Wie wollen wir dynamisch, klanglich die Teile voneinander unterscheiden, um demPublikum eine klare, interessante, fesselnde Interpretation zu bieten?<\/li>\r\n<li>die Interpretation soll die Eigenheiten des Werkes wiedergeben,\u00a0<strong>seine Gesamtheit im Detail widerspiegeln!<\/strong> Wir erkennen die Machart, die Motivverarbeitung, doch was geht damit einher?<br \/>Wichtige Fragen sind:<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-list\">\r\n<li>was passiert mit dem Inhalt der Geschichte, wenn der Melodieverlauf umgedreht wird(Umkehr?)? was hei\u00dft das f\u00fcr uns InterpretInnen?<\/li>\r\n<li>Was passiert, wenn eine Wiederholung angesetzt wird? Was hei\u00dft das, dass in einerGeschichte etwas zwei- oder mehrfach erz\u00e4hlt wird?<br \/>\u2022\u00a0was vermittelt die Sequenz? eine beschleunigte\u00a0<strong>harmonische Fortschreitung<\/strong>?Wohin leitet sie \u00fcber?<br \/>\u2022\u00a0Kadenz, was sagt sie uns?<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Robert Schumann ver\u00f6ffentlichte in seiner \u201eNeuen Zeitschrift f\u00fcr Musik\u201c, in Leipzig stationiert, \u00fcber hundert Jahre sp\u00e4ter zu Bachs Wohltemperiertem Klavier &#8211; im \u00fcbrigen in seiner Anlage ebenso p\u00e4dagogisch verankert wie die Aufrichtige Anleitung -, folgendes:[&#8230;] <strong>wo das k\u00fcnstliche Wurzelwerk wie das einer Blume \u00fcberdeckt ist, dass wir nur die Blume sehen.\u201c <\/strong>und meint damit, eine Fuge sei dann besonders gelungen, wenn man nicht mehr nur sieht, wie sie handwerklich gemacht ist, sondern, was ihre musikalische Absicht ist, die im besten Fall mehr als ein rein handwerkliches Bew\u00e4ltigen der Form ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>\u00a9 Gerda Struhal 2019<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Dankesworte:<\/strong><\/p>\r\n<p>Mein Dank gilt Univ.-Prof. Mathias Giesen f\u00fcr die Einladung zu diesem Symposium und an der MDW ao. Univ.-Prof. Dr. Gerold Gruber, der mir mit Rat zur Seite stand.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Weiters bedanke ich mich bei der Universal Edition, Wien und beim G. Henle Verlag, M\u00fcnchen-Duisburg f\u00fcr das zur Verf\u00fcgung Stellen des Bildmaterials.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Auch m\u00f6chte ich mich beim Bach Archiv Leipzig bedanken, dessen MitarbeiterInnen bei Fragen immer umgehend mit Rat und Tat zur Seite stehen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Und nicht zuletzt der Beinecke Rare Book &amp; Manuskript Library gilt mein Dank, die das Clavier-B\u00fcchlein von Wilhelm Friedemann Bach g\u00e4nzlich digitalisierte und online stellte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\r\n<p>Johann Nikolaus Forkel: \u00dcber Johann Sebastian Bachs Leben, Werke und Kunstwerke<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Christoph Wolff: Johann Sebastian Bach<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>CPE Bach: Nekrolog<\/p>\r\n<p>Erwin Ratz: Musikalische Formenlehre<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Johann Nepomuk David: Die zweistimmigen Inventionen von J S Bach<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Johann Nepumuk David: Die dreistimmigen Inventionen von J S Bach<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Heiner Klug: Musizieren zwischen Virtuosit\u00e4t und Virtualit\u00e4t<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Suzanne van Kempen: Bach &#8211; musikp\u00e4dagogisch betrachtet<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des Symposiums &#8222;Ist Musiktheorie praktisch?&#8220; an der MDW im April 2018\u00a0hielt ich den Vortrag unter gegebenem Titel. In der Folge finden Sie, soweit m\u00f6glich, den Vortrag in schriftlicher Form mit gewissen Adaptierungen (weder Workshop, noch Livepr\u00e4sentation sind hier inkludiert). Photos des Symposiums Wir werden uns im Rahmen dieses Vortrags ansehen, unter welchen Pr\u00e4missen Bach<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3667,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"video","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,18],"tags":[352,349,356,366,354,353,370,364,367,363,369,320,359,365,361,348,368,355],"class_list":["post-3660","post","type-post","status-publish","format-video","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein-en","category-blog","tag-bach","tag-clavier-buchlein","tag-dreistimmige","tag-erwin-ratz","tag-fantasien","tag-inventionen","tag-ist-musiktheorie-praktisch","tag-johann","tag-johann-nepomuk-david","tag-klavierdidaktik","tag-klavierpaadagogik","tag-mdw","tag-praambeln","tag-sebastian","tag-sinfonien","tag-symposium","tag-wilhelm-friedemann-bach","tag-zweistimmige","post_format-post-format-video"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.struhal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3660","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.struhal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.struhal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.struhal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.struhal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3660"}],"version-history":[{"count":36,"href":"https:\/\/www.struhal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3660\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3712,"href":"https:\/\/www.struhal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3660\/revisions\/3712"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.struhal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3667"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.struhal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3660"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.struhal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3660"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.struhal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3660"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}