{"id":3317,"date":"2018-06-09T14:44:55","date_gmt":"2018-06-09T12:44:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.struhal.com\/?p=3317"},"modified":"2018-06-09T15:39:32","modified_gmt":"2018-06-09T13:39:32","slug":"deutsch-zur-organisation-eines-konzertes-im-19-jahrhundert-take-2-friedrich-wieck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.struhal.com\/de\/2018\/06\/09\/deutsch-zur-organisation-eines-konzertes-im-19-jahrhundert-take-2-friedrich-wieck\/","title":{"rendered":"Zur Organisation eines Konzertes im 19. Jahrhundert&#8230;Take 2, Friedrich Wieck"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt Friedrich Wieck zu Wort. Wieck, der Vater der Pianistin und Komponistin Clara Schumann, deren Konzertkarriere er bis zu ihrer Verehelichung mit Robert Schumann p\u00e4dagogisch und organisatorisch anleitete, f\u00fchrt uns hier in die Gepflogenheiten der Konzertorganisation eines Klavierabends in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein.<\/p>\n<p>\u201e [\u2026] Ehe Sie eine Empfehlung abgeben, gehen Sie zuerst zu dem Musikalienh\u00e4ndler, der ihre Billets zum Concert verkauft. Er hat viele Abhaltungen und Unannehmlichkeiten, viel Aerger Ihretwegen auszuhalten \u2013 am Ende wohl noch Ihre Vorw\u00fcrfe, wenn die Sache eine schiefe Richtung nimmt? \u2013 Der gute geplagte Mann, von dem alle Damen Billets auf die erste und zweite Stuhlreihe haben wollen, um die H\u00e4nde des Spieles beobachten zu k\u00f6nnen, wird Sie \u00fcber vieles belehren, was Sie wissen m\u00fcssen, ehe sie einen Schritt weiter thun: folgen Sie ihm, ohne alles besser wissen zu wollen. Der Concertinstinct so eines Mannes, der so viel mit diesem seltsamen Virtuosin Geschlecht zu verkehren hat, grenzt oft an&#8217;s Wunderbare. Dann aber suchen Sie sogleich den besten und ehrlichsten Stimmer auf und bestreben Sie sich, ihn auf alle Weise f\u00fcr Ihren Zweck zu gewinnen. Durch dessen Rath und Unterst\u00fctzung erhalten Sie vielleicht ein spielbares, Stimmung haltendes Instrument, worauf Sie zur Noth vortragen k\u00f6nnen und was dieser ganz unter seine Aufsicht nimmt, sonst blamiren Sie sich durch Ungl\u00fccksf\u00e4lle aller, und in jeder Stadt \u2013 neuer Art. Jeder Virtuos hat sein Instrument bei sich, nur der ungl\u00fcckliche Clavierheld ist der \u201eDiscretion&#8220; fremder Instrumente anheim gegeben bis zur letzten Note, welche er spielt. Doch verbittern Sie sich Ihre Lage nicht noch mehr durch zu w\u00e4hlerische Aengstlichkeit. Seien Sie zufrieden, wenn nur die Spielart leidlich und der Mechanismus in Ordnung ist. Bedenken Sie, dass unter dreissig sogenannten Concertfl\u00fcgeln immer nur einer ein \u201ewirklicher&#8220; ist und dass die andern diesen Namen nur \u201egeduldig\u201c ertragen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Nachher suchen Sie sich den ehrenhaften Berichterstatter, Referenten, Recensenten \u00fcber Concerte auf, der wird Sie noch mit ganz andern Schwierigkeiten und mit der in gegenw\u00e4rtiger Stadt anzuwenden \u201eConcertdiplomatie\u201c bekannt machen. Ueberhaupt geben Sie das Concert nicht nach \u201eIhrem Kopf\u201c sondern nach den \u201ebessern K\u00f6pfen\u201c, welche die Stadt und die Einwohner derselben kennen. Aber dann in der Wahl der Concertst\u00fccke zeigen Sie \u201eFestigkeit\u201c, sonst wird Ihnen so viel bis zum Anfang des Concerts gerathen, dass Sie endlich ganz andere St\u00fccke spielen, als der Zettel besagt. Das ist nichts Erdachtes, das ist Erlebtes. Daraus entsteht der \u201eConcertmensch\u201c, eine sonderbare Mixtur, die eine chemische Analyse gar nicht zul\u00e4sst. &#8211;\u00a0 [\u2026]&#8220;<\/p>\n<p>Friedrich Wieck, Klavier und Gesang: Didaktisches und Polemisches, Leipzig, 1853<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt Friedrich Wieck zu Wort. Wieck, der Vater der Pianistin und Komponistin Clara Schumann, deren Konzertkarriere er bis zu ihrer Verehelichung mit Robert Schumann p\u00e4dagogisch und organisatorisch anleitete, f\u00fchrt uns hier in die Gepflogenheiten der Konzertorganisation eines Klavierabends in der Mitte des 19. 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