{"id":3316,"date":"2018-06-08T15:16:06","date_gmt":"2018-06-08T13:16:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.struhal.com\/?p=3316"},"modified":"2018-06-09T14:28:24","modified_gmt":"2018-06-09T12:28:24","slug":"deutsch-zur-organisation-eines-konzertes-im-19-jahrhundert-take-1-hector-berlioz-uber-franz-liszt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.struhal.com\/de\/2018\/06\/08\/deutsch-zur-organisation-eines-konzertes-im-19-jahrhundert-take-1-hector-berlioz-uber-franz-liszt\/","title":{"rendered":"Zur Organisation eines Konzertes im 19. Jahrhundert&#8230;Take 1 Hector Berlioz \u00fcber Franz Liszt"},"content":{"rendered":"<p>Wir lassen hier den Komponisten, Musikliteraten und Rezensenten Hector Berlioz\u00a0 zu Wort kommen. Er beschreibt eine Anekdote um Franz Liszt, die besagt, dass der vielger\u00fchmte Virtuose vor halbleerem Saal zu spielen hatte und wie er mit dieser Situation verfuhr:<\/p>\n<p>&#8222;Dabei f\u00e4llt mir eine alte Geschichte ein, die Sie vielleicht nicht kennen werden, in der Liszt und Rubini vor sieben oder acht Jahren eine ziemlich originelle Rolle spielten. Sie hatten sich f\u00fcr einen musikalischen Feldzug gegen die St\u00e4dte im Norden verb\u00fcndet. Wenn sich je zwei unbezwingbare Bezwinger zusammen getan haben, um sich das Publikum zu unterwerfen, dann waren es diese beiden unvergleichlichen Virtuosen. Nun denn! Rubini und Liszt (oder besser: Liszt und Rubini) kommen in ein solches modernes Athen und k\u00fcndigen dort ihr erstes Konzert an. Nichts wird au\u00dfer Acht gelassen, weder eine gro\u00dfartige Reklame noch kolossale Plakate noch ein reizvolles, abwechslungsreiches Programm \u2013 nichts. Und nichts nutzt. Als die Stunde des Konzerts da ist, betreten unsere beiden Helden den Saal\u2026 Es waren nicht einmal f\u00fcnfzig Zuh\u00f6rer anwesend! Beleidigt weigerte sich Rubini aufzutreten, der Zorn schn\u00fcrte ihm die Kehle zu. <i>Ganz im Gegenteil<\/i>, sagte Liszt zu ihm, <i>du musst dein Bestes geben, dieses Atom von einem Publikum ist offensichtlich die Elite der hiesigen Musikfreunde, und entsprechend musst du es behandeln. Wir m\u00fcssen uns Ehre machen!<\/i> Er geht mit gutem Beispiel voran und spielt das erste St\u00fcck ganz prachtvoll. Rubini singt darauf das zweite, halb mit Kopf \u2013, halb mit Bruststimme, voller Verachtung. Liszt kommt wieder, spielt das dritte, tritt unmittelbar darauf an die Rampe und wendet sich liebensw\u00fcrdig an das Publikum: <i>Messieurs, Madame <\/i>(es war n\u00e4mlich nur eine da)<i>, ich denke, Sie haben genug Musik gehabt, d\u00fcrfte ich Sie nun vielleicht bitten, mit uns zu soupieren?<\/i> Einen Augenblick lang verharrten die f\u00fcnfzig Geladenen unschl\u00fcssig, aber weil dieser Vorschlag alles in allem verlockend klang, h\u00fcteten sie sich, ihn zur\u00fcckzuweisen. Das Souper kostete Liszt 1200 Francs. Die beiden Virtuosen belie\u00dfen es bei diesem einen Versuch. Das war ein Fehler. Denn zweifellos w\u00e4re zu einem zweiten Konzert die Menge nur so herbeigestr\u00f6mt\u2026 In der Hoffnung auf eine Souper. Eine meisterliche Publikumsdressur \u2013 und f\u00fcr jeden Million\u00e4r im Bereich des M\u00f6glichen!&#8220;<\/p>\n<p>aus Hector Berlioz, Schriften. Betrachtungen eines musikalischen Enthusiasten, hg Frank Heidlberger, \u00fcbersetzt von Dagmar Kreher, B\u00e4renreiter, Kassel 2002<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir lassen hier den Komponisten, Musikliteraten und Rezensenten Hector Berlioz\u00a0 zu Wort kommen. 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