Kritik, CDs „Chopin, Skrjabin“ und „Schumann, Ravel“ im Klassik – Magazin FONO FORUM

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Versprechen für die Zukunft

Da ist wirklich einmal eine junge Künstlerin, die auf erfreuliche Weise spürbar eigenes mitzuteilen hat und sich nicht einreiht in die Riege der pauschalen Musikanten. Sie heißt Gerda Struhal, stammt aus Wien, wo sie auch pianistisch ausgebildet wurde, und hat sich auch gleich danach noch dem Dirigieren zugewandt. Ihre Produktion von 2000 – in der Heimat gleich von Ö1 mit dem „Pasticcio“- Preis bedacht – wurde sogar von einem ihrer Mentoren als Aufnahmeleiter betreut: nämlich von Stefan Vladar. Da spielt sie das vierte Chopin-Scherzo in Es [sic] -Dur so unverzagt und klangschön und funkelnd, dass man gleich aufhorcht. Den Chopin-Préludes mangelt es hier nicht an Poesie, Leuchtkraft und Geläufigkeit (hier fällt nur das g-Moll Stück etwas metallen aus), der zweiten Skrjabin Sonate nicht an gestalterischer Emphase.

Das Nachfolgealbum ist vier Jahre jünger und dokumentiert unverkennbar, dass sich diese Künstlerin, die auch zeitgenössische Musik nicht außen vor lässt, offenbar künstlerisch treu geblieben ist. Die gewaltige Schumann-Sonate f-Moll („Concert sans orchestre“) lebt da von einer Transparenz, die selbst komplexe Stimmverläufe erhellt, ohne ins allzu Kopflastige zu fallen. Da fehlt es nur dem Finale dann etwas an virtuoser Vehemenz während Gerda Struhal das berühmte Prestissimo possibile mit Clarté und spitzen Fingern pointiert meistert. Den nervösen Impuls trifft sie auch in Ravels „Gaspard de la nuit“. Diesen drei tönenden Poemen verleiht sie eine keineswegs monochrome Farbigkeit. Selbst „Scarbo“ begegnet sie furchtlos und zupackend. Das ist ein Versprechen für die Zukunft.

(Musik: 4 von 5 Sternen, Klang: 4 von 5 Sternen)

Michael Stenger, Fono Forum, Dezember 2007

  Gerda   Posted in: News  

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